Über die Windkraft wurde strittig diskutiert

Die besten Momente hatte die frühere grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, als ihr Vortrag am Umwelt-Campus Birkenfeld (UCB) fast zu Ende war: „Wir brauchen eine Debatte wie diese hier“, sagte die 52-Jährige, und: „Wir brauchen Quellen, um zu erfahren, was stimmt und was nicht stimmt.“ Das heißt auch: Man kommt der Wahrheit näher, wenn man Argumente und Gegenargumente vergleicht und aufwiegt.

Danach sah ihr Vortrag am Mittwochabend in einem der Hörsäle auf dem Campus lange Zeit nicht aus: Er erinnerte stark an eine Verkaufsveranstaltung für grüne Umweltpolitik, erst in der letzten halben Stunde kam eine Diskussion mit den Gästen im Hörsaal auf: Es handelte sich um Studenten, Politikern, Bürgermeistern und Öko-Anhänger. Mit ihrem Schlusswort kehrte der Gedanke an die Verkaufsveranstaltung nochmals zurück: Lemke holte aus einem Karton ein Buch hervor und hielt es den Zuhörern hin: „Politik hart am Wind“ heißt es, kostet 24,95 Euro. Es ist im Oekom-Verlag erschienen und seit Donnerstag im Handel.

Genau genommen war dieser Auftritt nicht als Werbeveranstaltung gedacht, sondern als Teil der Reihe „Kleine Ringvorlesung“, zu der der Umwelt-Campus regelmäßig einlädt. Diese Ringvorlesungen sind offen, jeder kann teilnehmen, nicht nur Studenten. Natürlich passt Lemkes Vortrag zum Thema „Politische Herausforderungen der Energiewende aus Bundes- und Landesperspektive“ auch in Vorstellungswelt und Lerninhalte des Umwelt-Campus, die Grünenpolitikerin und Professor Peter Heck, Direktor des Ifas-Instituts auf dem Campus, duzen sich. Sie sind sich während Lemkes politischer Tätigkeit oft genug begegnet.

Lemke war von 2011 bis 2016 Wirtschaftsministerin und Vize-Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz. Sie war zweitmächtigster politischer Kopf nach Kurt Beck und später Malu Dreyer. Bei der Wahl im März 2016 verloren die Grünen deutlich Stimmen, Lemke zog sich in die zweite Reihe zurück. Im Hörsaal sprach sie von 70 000 Erzeugern erneuerbarer Energien, die die Quasi-Monopolstellung der vier Großen auf dem Strommarkt – Vattenfall, RWE, EnBW und EON – auflösen, von 200 000 Arbeitsplätzen bundesweit und 15 000 in Rheinland-Pfalz, die durch erneuerbare Energien geschaffen wurden. Sie kritisierte, dass die EU sich noch lange nicht vom Atomstrom verabschiedet habe, ihre aktuelle Förderung „übersteigt alles, was es jemals dafür gab“.

In der Diskussion ging es kritischer zu. Ein Zuhörer fragte zum Beispiel, wer die Profiteure der Energieerzeugung aus Wind seien. Banken? Unternehmer? Auf jeden Fall nicht der Bürger, der habe im Gegenteil erhebliche Defizite in Naturschutz und Landschaftsbild hinzunehmen, meinte der Mann. Lemke erwiderte: „Haben wir zu schnell und zu viel in dieser Zeit gebaut? Lassen Sie es uns in 30 Jahren beantworten.“

Ein Student hatte neben Windkraftanlagen gelebt: Man gewöhne sich an die Geräusche wie man sich an den Lärm von der Straße gewöhne, sagte er. Auch eine Studentin aus Simmern, wo sich viele weiße Riesen drehen, meldete sich zu Wort: „Am Anfang habe ich mich stark über die Windräder geärgert, aber inzwischen ist es normal. Man kann sie mit einer gewissen Faszination betrachten und sollte nicht sofort sagen: Die sind hässlich.“ Ein Student aus Aachen: „Jede Kilowattstunde, die aus einer Windmühle kommt, ist auf jeden Fall besser, als ein Braunkohlekraftwerk zu betreiben.“

 

Akademiepreis des Landes Rheinland-Pfalz an Anna Bulanda-Pantalacci von der Hochschule Trier verliehen

Frau Professorin Anna Bulanda-Pantalacci vom Fachbereich Gestaltung-Kommunikationsdesign der Hochschule Trier wurde am 28. November 2016 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz für ihre „vorbildhafte Lehre und kreativ-künstlerische Leistungen“ mit dem Akademiepreis des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Prof. Dr. Dr. h.c. Gernot Wilhelm, Prof. Anna Bulanda-Pantalacci, Dipl.-Graph. M.A., Staatssekretär Prof. Dr. Salvatore Barbaro

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Auch im Hinblick auf die Ausrichtung der Akademie mit einer Klasse der Literatur und der Musik freute sich der Präsident der Akademie, Prof. Dr. Dr. h.c. Gernot Wilhelm, dass der Preis – nachdem in den vergangenen Jahren Wissenschaftler aus Universitäten und Hochschulen des Landes ausgezeichnet wurden – nun an eine Dozentin aus dem kreativen Bereich geht.

In seinem Grußwort zeigte sich Staatssekretär Prof. Dr. Salvatore Barbaro (Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz) „beeindruckt von dem Potential, das die Universitäten und Hochschulen des Landes Rheinland-Pfalz zu bieten haben“ und attestierte der Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Peter Strohschneider „ein sehr gutes Gespür bei der Auswahl“.

In seiner Laudatio hob dann Prof. Dr. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, heraus, dass die Leistungen von Anna Bulanda-Pantalacci in ganz besonderem Maße geeignet seien, „ein Verständnis für kulturelle und politische Zusammenhänge in Europa zu fördern“ und lobt ihr „auf Interdisziplinarität und Internationalität ausgerichtetes beispielhaftes Engagement“.

Die Preisträgerin stellte in ihrem anschließenden Vortrag dieses kulturelle europäische Netzwerk vor und sprach über „Ein ganzheitliches Bildungsideal. Erfahrungen und Erkenntnisse aus der umfassenden interdisziplinären und internationalen Lehre am Beispiel von Cross Border Network of History and Arts“.

Das die Studierenden der Professorin besonders am Herzen liegen, zeigte sie in der Projektvorstellung zu studentischen Eigeninitiativen

Zum Ende Ihres Vortrages gab Anna Bulanda-Pantalacci dem Publikum dieses Zitat mit auf den Weg „Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut!“ (Astrid Lindgrens Figur Pippi Langstrumpf. Dieser Ausspruch zeigt sehr deutlich, dass die Professorin Neues wagt und unkonventionelle Wegen hierbei geht.

Wir, die Fachrichtung Kommunikationsdesign, sind stolz auf unsere Kollegin und Professorin und freuen uns sehr über die hohe Auszeichnung. Studierende, Professoren, Lehrende und Mitarbeiter schätzen das außergewöhnliche Engagement und ihre  Persönlichkeit. Wir sagen Danke für eine Vielzahl an beeindruckenden Projekten und wünschen Anna Bulanda-Pantalacci weiterhin viel Erfolg bei ihren Plänen für die Zukunft.

Hintergrund
Der Akademiepreis des Landes Rheinland-Pfalz wird seit 2001 vom Land Rheinland-Pfalz in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur verliehen und ist mit 25 000 Euro dotiert, welche die Preisträger einem wissenschaftlichen Zweck ihrer Wahl zuführen können.
Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die im Bereich der Hochschulen des Landes herausragende und vorbildhafte Leistungen in Lehre und Forschung erbracht und maßgebend den wissenschaftlichen Nachwuchs gefördert haben. In der Vergangenheit wurde Frau Professorin Claudia Eder zuletzt für ihre Verdienste im künstlerischem Bereich und in der Lehre ausgezeichnet.

Neuer Schmuck aus Idar-Oberstein

Die vielen Facetten des Schmückens

Am 27. November eröffnet im Stadtmuseum Simeonstift die Ausstellung „Neuer Schmuck aus Idar-Oberstein“

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Im Stadtmuseum Simeonstift ist eine neue Sonderausstellung im Aufbau: Gemeinsam mit der Hochschule Trier, Fachrichtung Edelstein und Schmuck in Idar-Oberstein, ist eine groß angelegte Präsentation zeitgenössischen Schmucks entstanden. Arbeiten von über 100 Studierenden und AbsolventInnen beleuchten die vielen Facetten zeitgenössischen Schmucks. Eröffnet wird die Schau am 27. November um 11:30 Uhr.

Trier. Wer an Schmuck denkt, hat meist ganz bestimmte Bilder vor Augen: Ringe, Armbänder, Broschen, gefertigt aus glänzendem Gold und besetzt mit glitzernden Edelsteinen. Ein Sinnbild für Luxus und Wohlstand. Mit dieser Idee von Schmuck haben die Kreationen der Fachrichtung Edelstein und Schmuck der Hochschule Idar-Oberstein auf den ersten Blick wenig gemein. Die rund 100 Arbeiten dienen nicht in erster Linie der Dekoration ihrer Trägerinnen und Träger, sondern sie sind Träger von Gedanken und Haltungen.

Von Materialuntersuchungen über freikünstlerische Objekte bis hin zu Fotos und Videos  setzen sich Studierende, Absolventinnen und Absolventen mit dem Thema des Schmückens auseinander – klassisch, extravagant, experimentell, in unerwarteten Materialien und mit junger Ästhetik. Diese Studien weiten den Blick auf Schmuck als ein gesellschaftliches Ritual: Warum schmücken wir uns? Welche Wirkung hat es auf eine Person, wenn sie ein Schmuckstück anlegt?

Die Arbeiten in der Ausstellung sind das Ergebnis langwieriger gedanklicher und handwerklicher Prozesse. Manche Arbeiten thematisieren gesellschaftliche und politische Fragen, andere kreisen um ganz persönliche Erfahrungen und Reflexionen, wieder andere sind Experimente mit Werkstoffen. Ein zentraler Werkstoff, der für die Arbeit auf dem Campus in Idar-Oberstein steht, ist der Edelstein. „Edelsteine müssen zwar nicht in jeder Arbeit vorhanden sein, doch eine Haltung zum Material soll entwickelt werden“, erklärt Theo Smeets, Professor für Edelstein und Schmuck in Idar-Oberstein. Nicht von ungefähr, war die Stadt an der Nahe doch über Jahrhunderte ein florierender Standort des internationalen Edelsteinhandels.

Im Jahr 1986 wurde in Idar-Oberstein die Fachrichtung Edelstein und Schmuck als Teil des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Trier gegründet. Heute bietet der Standort ein weltweit einzigartiges Umfeld für angehende Schmuckgestalter, die hier auf Bachelor- und Masterniveau studieren können.

Neben den Kollektionen von Studierenden und AbsolventInnen, die im Neubau des Museums ausgestellt sind, haben acht Studierende sich für das Projekt reMake von Ausstellungsstücken aus der Dauerausstellung über die Trierer Stadtgeschichte inspirieren lassen. So war beispielsweise die Schandmaske, ein mittelalterliches Folterinstrument zur öffentlichen Schmähung, der Ausgangspunkt für Vanessa Zöllers Arbeit „Maske“: ein Spiegel, der sich über die gesamte Breite des Gesichts erstreckt und wie ein Visier vor den Augen befestigt ist. Der Träger ist somit gezwungen, sich unablässig selbst anzuschauen. Für Zöller eine zeitgenössische Variante der mittelalterlichen Schmähung als Strafe: Die Verurteilung findet nicht mehr von außen durch andere statt, sondern das Individuum richtet sich selbst ohne Gnade.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 27. November, um 11:30 Uhr im Stadtmuseum Simeonstift eröffnet. Den Festvortrag hält Dr. Claudia Banz (Leiterin der Sammlung „Kunst und Design – Biedermeier bis Gegenwart“ am Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg) Der Eintritt ist frei.