Barrierefreies Museum: GESCHICHTE SPÜRBAR MACHEN

Einfach ins Museum gehen und sich die neuste Ausstellung anschauen. Für blinde und sehbehinderte Menschen ist dies gar nicht oder aber nur unter erschwerten Bedingungen möglich. „Nicht berühren“-Schilder und Glasvitrinen stellen oft unüberwindbare Hürden dar. Ein Pilotprojekt in Kooperation zwischen der Hochschule Trier und dem Stadtmuseum Simeonstift möchte das ändern.

Blinde

Studierende des Seminars „Crossmedia“ im Fach Intermedia Design unter Leitung von Christopher Ledwig haben ein vielschichtiges Angebot entwickelt, um auch sehgeschädigten und blinden Besuchern des Museums einen Eindruck der Exponate vermitteln zu können. Denn es reicht nicht aus, Erklärungen der Exponate in Brailleschrift, also Blindenschrift​, anzubringen. Unabhängig davon, dass laut Schätzungen nur knapp 30 % aller blinden und sehbehinderten Menschen überhaupt die Schrift beherrschen, macht die Möglichkeit der Selbsterfahrung durch Nutzung anderer Sinne wie ertasten oder hören die Exponate erst erlebbar. Um dies zu ermöglichen, haben die Studierenden unterschiedliche Medien verwendet. Dinge aus dem High-Tech Bereich sind dabei ebenso vorhanden, wie ganz simple Elemente.
So ist zum einen ein maßstabsgetreues Miniatur-Modell der Porta Nigra im modernen 3D-Drucker entstanden, eine kleinere Nachbildung eines Kleides aus dem berühmten Textilkabinetts des Museums wurde noch ganz traditionell von Hand genäht und geschneidert. Auch Töne spielen beim Konzept eine besondere Rolle. So können Blinde und Sehbehinderte einen Reliefnachdruck eines Bildes in die Hand nehmen, auf dem die einzelnen Linien des Bildes ertastbar sind und über Kopfhörer hören sie das Geräusch eines Bleistiftes der über Papier kratzt. Durch Verbindung dieser beiden Sinneswahrnehmungen, entwickeln betroffene Personen einen besseren Eindruck für Geschichte und Entstehung.
Bei der Konzeption der Ideen wurde das Seminar der Hochschule von blinden Probanden unterstützt. Einer von ihnen ist Karl Kohlhass, der sein Augenlicht als junger Mann durch eine Krankheit verloren hat. Er geht davon aus, dass „aufgrund des demographischen Wandels in den kommenden Jahre die Zahl der Betroffenen drastisch zulegen“ wird. Diese Entwicklung ist für Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, die vornehmlich visuell geprägt sind eine enorme Herausforderung.
Umso wichtiger ist es, dass grade Museen, die ihre gesellschaftliche Bedeutung aus der visuellen Veranschaulichung kultureller und geschichtlicher Zusammenhänge ziehen, diese Entwicklung annehmen und ihr ein Konzept entgegen setzen. Einfach ist es jedoch nicht. „Aufgrund vieler unterschiedlicher Bedürfnisse, die aus unterschiedlichen persönlichen Krankheitsbildern und Geschichten der betroffenen Personen entstehen, können wir Barrieren hier nur verringern. Selten ist es so, dass wir sie ganz abbauen können“, sagt Seminarleiter Christopher Ledwig, „Wir müssen sogar aufpassen, dass durch unsere Arbeit nicht sogar neue Hindernisse entstehen“.
Das Besondere an diesem Projekt ist darüber hinaus, dass es den Entwicklern nicht ausreicht die Exponate erlebbar zu gestalten. Zunächst haben blinde Menschen meist ein ganz  grundsätzlicheres Problem: Die Orientierung in unbekannten Räumen zum Beispiel. Hier möchten die Macher zusätzlich optimieren. Durch den, ebenfalls maßstabsgetreuen, Nachbau der Räumlichkeiten des Museums in kleinen Holzmodellen, wollen die Studierenden die Möglichkeit schaffen einen ersten Überblick über die Begebenheiten zu erlangen. Im Laufe des kommenden Sommersemesters sollen erste Umsetzungen der vorgestellten Ideen im Museum zu erleben sein.
Zunächst werden diese Veränderungen jedoch nur an ausgewählten Exponaten der Dauerausstellung vorgenommen. Ein groß angelegtes Ziel ist es, dass auch Sonderausstellungen so zugänglich gemacht werden könnten. Wie so oft, ist im Vorfeld vor allen Dingen die finanzielle Frage zu klären. „Förderanträge werden gestellt und das Museum wird Teile der Konzepte auf jeden Fall umsetzen“, erklärt hierzu Alexandra Orth vom Stadtmuseum.

Foto: Christopher Ledwig

 

Prof. Dr. Careglio wurde zum DLG-Prüfbevollmächtigten für den deutschen Süßwarenmarkt berufen

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Herr Prof. Dr. Enrico Careglio von der Fachrichtung Lebensmitteltechnik der Hochschule Trier wurde ab dem 01.01.2015 zum leitenden DLG-Prüfbevollmächtigten für den deutschen Süßwarenmarkt berufen. Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) ist die Spitzenorganisation der Agrar- und Ernährungswirtschaft (über 25.000 Mitglieder) und mit ihren internationalen Lebensmittel-Qualitätsprüfungen führend in Europa. Diese Auszeichnung ist für Prof. Careglio aber auch für die gesamte Hochschule Trier sehr bedeutend.

 

Redaktionsteam Campino: Herr Prof. Careglio, wir gratulieren Ihnen nochmals ganz herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung. Wird man für eine solche Auszeichnung vorgeschlagen oder wie ist das Auswahlprozedere?

Das Auswahlkriterien werden vornehmlich durch die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) definiert, die deutschlandweit nach möglichen Kandidaten sucht und von Praktikern, Verbänden und Forschungseinrichtungen beraten wird.
Als Voraussetzung für eine Kandidatur sollte der leitende DLG-Prüfbevollmächtige eine langjährige Führungsposition in Forschung oder Praxis vorzeigen können und in der Süßwaren-Branche als wissenschaftlicher Experte bekannt sein.
In den letzten Jahren konnte ich mir durch den Vorsitz in der Fachjury „Sweetie“ (Vergabe des Oscars an die Süßwarenindustrie), als Autor in diversen Fachzeitschriften und durch Industrie-Kooperationen (im Rahmen von Abschlussarbeiten und Projekten) einen deutschlandweiten Ruf als Süßwarenexperte erarbeiten.
Ein weiteres wichtiges Auswahlkriterium für die Übernahme der leitenden DLG-Position sind u.a. umfangreiche sensorische, technologische und lebensmittelrechtliche Fachkenntnisse, die ich mir zuvor in meiner 16-jährigen Industrietätigkeit als R & D- Direktor bei einem italienischen Süßwarenkonzern national und international sammeln konnte.
Da ich u.a. die Module Sensorik, Lebensmittelrecht und Süßwarentechnologie in der FR LMT vertrete, konnte ich die o.g. Kriterien auch didaktisch erfüllen.
Nachdem ich als möglicher Nachfolger nominiert wurde, erfolgte eine Einarbeitungszeit von ca. 2 Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter des DLG-Prüfbevollmächtigten. In dieser Zeit wurde ich von der DLG-Geschäftsführung sowie von den DLG-Prüfergruppen auf „Herz und Nieren“ geprüft.
Abschließend musste ich ein spezielles DLG-Sensorikseminar (für Profis) mit verbundener zertifizierter Abschlussprüfung durchlaufen.  

Redaktionsteam Campino: Nach welchen Kriterien werden denn die Süßwaren überprüft?

Die Süßwaren werden „in neutralisierter Form“ durch Fach-Experten mittels eines produktspezifischen Prüfschemas nach sensorischen (Farbe, Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack) und technologischen Eigenschaften (sorgfältige Rohstoffauswahl, optimale Verarbeitung und Zubereitung etc.) überprüft.
Die deskriptive Beurteilung erfolgt nach einem DLG-5-Punkte-Prüfschema.
Im Vordergrund stehen als Prüfkriterium die fachliche Perfektion und die objektive Beurteilung der fachlichen Fehlerfreiheit.
Dabei spielen für die Gesamtbeurteilung der eingereichten Produkte auch die analytischen (chemische, mikrobiologische, physikalische Analysen) und lebensmittelrechtlichen Aspekte (Verpackungs- und Kennzeichnungsprüfung, bestehende Verkehrsauffassung und der guten Herstellpraxis) eine entscheidende Rolle.
Jedes Prüfmerkmal-Ergebnis wird mit einem Gewichtungsfaktor multipliziert, woraus sich eine Qualitätszahl für die Prämierung ergibt (DLG-Prämierungszeichen in Gold, Silber oder Bronze).

 

R. C.: Wird jetzt jede neue Süßigkeit von Ihnen überprüft?

Da das DLG-Qualitätssiegel bei Verbrauchern, Herstellern und dem Lebensmittelhandel einen hohen Stellenwert genießt, werden mit großer Wahrscheinlichkeit die meisten Süßwaren-Innovationen von meinen DLG-Prüfergruppen kontrolliert werden.
Jährlich werden ca. 2.000-3.000 Süßwaren (Schokoladenartikel und Dragees, Pralinen, Zucker- und Gummiwaren, süße Brotaufstriche wie Marmelade und Honig, Getreideerzeugnisse mit Schokolade, nährwertveränderte Süßwaren etc.) zur qualitativen Prüfung bei der DLG eingereicht
.
Seit Jahren steigt die Anzahl an Prüfgütern, darunter auch zunehmend Produkte aus dem Ausland, da der hohe Qualitätsstandard deutscher Lebensmittel ein hohes Ansehen im Ausland genießt.


R.C.: Und essen Sie denn selbst gerne Süßigkeiten?

Gerne Süßigkeiten essen ist leicht untertrieben. Meine Frau behauptet, dass in meinen Adern Schokolade fließt, anstatt Blut.Von meiner Familie werde ich selten zum Einkaufen geschickt, da ich beim „Benchmarking von Süßwaren“ Stunden benötige und dabei den eigentlichen Einkauf vergesse.
Wenn Sie mir die Frage stellen, ob ich im Urlaub zunächst den Strand oder einen dortigen Supermarkt aufsuche, dann würde ich sicherlich den Supermarkt bevorzugen.
Durch meine letzte berufliche Tätigkeit als Produktentwickler ist meine Neugier für neuartige Süßwaren permanent geweckt.

 

R.C.: Wie groß ist Ihr Prüferteam insgesamt? Gibt es regelmäßige Meetings?

Das Prüferteam umfasst ca. 250 ehrenamtliche Prüfer (Führungskräfte aus der Industrie und Handwerk, Vertreter aus der Wissenschaft und Lebensmittelüberwachung, die sich zunächst als Gastprüfer und dann abschließend durch eine DLG-Sensorik-Prüfung qualifizieren müssen. Die Anfrage, als Gastprüfer zugelassen zu werden, ist steigend.
Wer sich zum DLG-Prüfer qualifiziert, der möchte diese Position auch bis zur Rente begleiten, was für die DLG-Organisation spricht.
In der Prüfgruppe besteht auch die Möglichkeit zum Prüfgruppenleiter oder zum wissenschaftlichen Mitarbeiter des leitenden Prüfbevollmächtigten aufzusteigen.
Die Treffen und Meetings der Prüfer sind je nach Produktgruppen und Nachprüfungen über das gesamte Jahr verteilt.

 

R.C.: Gibt es im Ausland vergleichbare Prüfsiegel?

Die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) ist die Spitzenorganisation der Agrar- und Ernährungswirtschaft (über 25.000 Mitglieder) und aufgrund seiner Fach- und Methodenkompetenz international führend in der Qualitätsbewertung von Lebensmitteln.
Eine vergleichbare Organisation werden Sie im Ausland nicht finden.

 

R.C: Wie lange ist denn Ihre Amtszeit?

Die Amtszeit als leitender DLG-Prüfbevollmächtigter endet mit meinem Renteneintrittsalter.
Aus diesem Grund habe ich noch viel „süße Arbeit“ vor mir!

 

R.C.: Eine Frage generell zum Studium Lebensmitteltechnik. Können Sie uns drei Gründe nennen, warum man an der Hochschule Trier Lebensmitteltechnik studieren sollte?

  1. Der Bachelorstudiengang ist breit aufgebaut (ohne Spezialisierung) und bietet mit dem Abschluss eine sehr gute Eintrittsmöglichkeit in verschiedene Bereiche der Lebensmittelindustrie (Labor, Maschinenbau, Vertrieb, QM etc.). Zudem ist der konsekutive Masterstudiengang der Lebensmittelwirtschaft der einzige Studiengang im Bereich der Lebensmitteltechnologie, der neben seiner attraktiven Modulzusammensetzung einen Abschluss als „Master of Engineer“ anbietet.
  1. Die Fachrichtung ist durch die Lehrenden, die eine langjährige Industrie- und Forschungserfahrung vorweisen können, stark praxis- und forschungsorientiert. Die Vielzahl an regionalen/überregionalen Industrieprojekten sowie die Anzahl an kooperativen Promotionen sprechen für die Qualität der Fachrichtung Lebensmitteltechnik. Die Fachrichtung Lebensmitteltechnik ist auch international ausgerichtet und bietet für die Studierenden über unsere universitären Auslandskooperationen (USA, Frankreich, Irland etc.) eine Vielzahl an Auslandspraktika an.
  1. Die intensive Betreuung unserer Studierenden über praxisnahe Projekte/seminaristischen Veranstaltungen und das persönliche Verhältnis der Lehrenden/Mitarbeiter wird von den Studierenden der Fachrichtung Lebensmitteltechnik besonders geschätzt („als familiäre Atmosphäre empfunden“). Die Absolventen kommen immer wieder gerne zu uns zurück und halten auch nach Jahren einen intensiven Kontakt zur Fachrichtung Lebensmitteltechnik.