Promovieren in Kooperation mit dem UCB: ein persönlicher Erfahrungsbericht

Von Hoppstädten nach Lüneburg, von wissenschaftlicher Mitarbeiterin zur Promotionsstudentin, von der Hochschule an eine Uni – nach mehr als einem Jahr ist es Zeit diesen Wechsel zu reflektieren. Gerne möchte ich die Gelegenheit nutzen meine Erfahrungen zu teilen.

Promovieren – eine Perspektive für mich?

Dass Promovieren eine Perspektive für mich ist, wurde mir schon während meines Masterstudiums klar. Mit der tatsächlichen Entscheidung zu promovieren ließ ich mir dann noch etwas Zeit, um herauszufinden, wie ich die Zeit der Promotion gestalten will. Durch Workshops, Informationsveranstaltungen und Treffen mit Promovierenden an der Hochschule Trier und kooperierenden Unis wurden mir nach und nach die vielfältigen Möglichkeiten bewusst: kumulative Dissertation oder Monografie? Promotionsstudium, Promotion im Rahmen eines Forschungsprojektes oder beides? usw. Es ist gar nicht so einfach seinen eigenen Weg hin zum Doktortitel zu finden!

Da ich mir nicht vorstellen konnte meine Doktorarbeit ohne den Austausch mit anderen Promovierenden zu schreiben, habe ich mich für ein Promotionsstudium entschieden. Das sieht an der Universität in Lüneburg, an der ich seit Oktober 2014 eingeschrieben bin, so aus: Innerhalb des Studiums, das auf 4 Jahre ausgelegt ist (Verlängerung möglich), werden insgesamt vier Pflichtmodule belegt. Dazu zählen Seminare zu Wissenschaftspraxis und -theorie sowie Forschungsmethoden und Kolloquien. Ich habe z.B. ein Seminar „How to write a journal paper“ belegt, bei dem uns hilfreiche Tipps zur Einreichung eines Journalbeitrags gegeben wurden. Der Prof muss es wissen – bei über hundert veröffentlichten Journalbeiträgen. In den fachbezogenen Forschungskolloqiuen stellen Doktoranden ihre Arbeiten vor. Jeder muss in diesem Rahmen sein Vorhaben vor Kommilitonen und Professoren präsentieren. Das tolle an den Seminaren und Kolloquien ist aus meiner Sicht, dass man hier Gelegenheit hat andere Promovierende kennen zu lernen. Egal ob fachlich ähnlich oder interdisziplinär, irgendwie treten dann doch bei jedem ähnliche Fragen und Probleme auf.

Meine Dissertation schreibe ich kumulativ. Das heißt, statt einer meist noch üblichen Monografie schreibe ich mehrere Fachartikel und fasse diese dann zu einer Arbeit zusammen. Die Form wird daher auch oft Sammeldissertation oder „paperbasiert“ genannt. Ich habe mich dazu entschieden, weil ich meine Vorarbeiten aus Forschungsprojekten am Umwelt-Campus (z.B. Green Software Engineering) gerne in mein Promotionsvorhaben einbringen wollte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich die Entscheidung noch immer gut finde. So sind es eher kleine Arbeitspakete (je Fachartikel, mind. drei sind nötig), die es abzuarbeiten und am Ende zusammenzufassen gilt.

Inzwischen habe ich einen Artikel veröffentlicht und einen eingereicht. Hier wird ein großer Unterschied zur Monografie klar: durch die notwendige Einreichung der Artikel bei einer Fachzeitschrift entsteht eine Abhängigkeit von extern. Bis zur tatsächlichen Veröffentlichung eines Beitrags können Monate, wenn nicht sogar Jahre, vergehen. Zum Glück regelt hier die Promotionsordnung, wie viele Artikel bei Einreichung der Doktorarbeit veröffentlicht, angenommen oder annahmewürdig sein müssen. Hier lohnt es sich, sich vorher schlau zu machen und entsprechende Absprachen mit seinem Betreuer zu treffen.

Leuphana Universität Lüneburg

Als FH-lerin an die Uni

Promotionsrecht haben nach wie vor in Deutschland insbesondere die Universitäten. Die Suche nach einem Betreuer für die Doktorarbeit führt also unmittelbar zu einem Prof an einer Uni. Glücklicherweise konnte ich hier auf Kontakte der Profs am Umwelt-Campus, die ich von Konferenzen kannte, bauen. So habe ich meinen Erstbetreuer an der Leuphana Universität Lüneburg, Prof. Andreas Möller, gefunden. Die Zweitbetreuung übernimmt Prof. Stefan Naumann vom UCB. Was ich daraus gelernt habe? Frühzeitiges Netzwerken und Kontakte knüpfen lohnt sich!
Ja, es gibt sie die Unterschiede zwischen Fachhochschule und Universität – und das ist auch gut so. Das zu sagen fiel mir nicht immer so leicht, besonders nicht zu Beginn der Promotion. Inzwischen weiß ich es zu schätzen, dass bei uns im Curriculum z.B. eine praktische Studienphase statt Wissenschaftsethik steht. Ich bin sehr froh darüber, dass es an der FH gar nichts Besonderes ist, Bacheloranden als wissenschaftliche Mitarbeiter einzustellen. An der Uni sind die WiMis meist Doktoranden. So konnte ich bereits während meines Masters ein Forschungsprojekt kennenlernen, Konferenzen besuchen, Papers veröffentlichen. Das können nur wenige Uni-Kollegen von sich behaupten. Andererseits musste ich einige wissenschaftstheoretischen Grundlagen und Forschungsmethoden neu lernen.

Umwelt-Campus Birkenfeld im Februar 2016

Infos, Fakten, Hintergründe

Von 2007 bis 2013 habe ich am Umwelt-Campus erst Bachelor, dann Master Medieninformatik studiert. Während der Zeit arbeitete ich vier Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Softwaresysteme in Forschungsprojekten zum Thema nachhaltige Softwaretechnik bzw. Regionalentwicklung. Jetzt promoviere ich an der Leuphana Universität in Kooperation mit dem Umwelt-Campus Birkenfeld. In meiner Promotion beschäftige ich mich mit der Erforschung und Kommunikation von Umweltwirkungen durch Software.

Mögliche Umweltwirkungen von Software erforschen wir am Umwelt-Campus gemeinsam mit Wissenschaftlern der Uni Zürich und dem Öko-Institut Berlin. In einem Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamts geht es um die Entwicklung und Anwendung von Bewertungsgrundlagen für ressourceneffiziente Software. Nähere Infos zum Projekt finden sich auf der Website.

Meine Promotion finanziere ich über ein Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung. Dadurch bin ich zugleich Teil eines Netzwerks vieler Promovierender aus den unterschiedlichsten Themenfeldern. Tatsächlich sorgt so ein Stipendium nicht nur für den finanziellen Rückhalt, sondern bietet auch jede Menge Möglichkeiten zum Netzwerken, Workshops und Informationsveranstaltungen. Für mich persönlich bedeutet das Stipendium vor allem viel zeitliche Flexibilität. Dabei ist es nicht zu unterschätzen, dass eine Promotion auch immer heißt ein Projekt zu managen, nämlich genau die Promotion an sich. Zeitmanagement, Motivation, Planung von Konferenzen usw. machen einen Großteil davon aus – das Schreiben der Doktorarbeit oder in meinem Fall der Artikel ist nur ein Aspekt auf dem Weg zum Doktortitel. Ich persönlich sehe gerade das als Herausforderung für meine nächsten Jahre als Promotionsstudentin und freu mich auf meine nächsten beiden Jahre.

Interesse am P romovieren geweckt? Melde dich bei der Promotionsberatung der Hochschule Trier!
Fragen zu meinen bisherigen Erfahrungen? Schreib mir gerne: e.kern@umwelt-campus.de

Zugfahrten zum schreiben nutzen

Sehr gerne nutze ich die Zeit auf Zugfahrten, um an meinen Artikel weiterzuschreiben, Papers zu lesen usw.

Dem Kopf mal eine Pause gönnen

„Dem Kopf mal eine Pause gönnen“ – das wünschen sich viele die geplagt sind vom Prüfungsmarathon, Hausarbeiten schreiben oder Präsentationen vorbereiten. Doch das Abschalten fällt vielen schwer. Ständig kreisen die Gedanken darum, was noch alles zu tun ist. Kaum gönnt man sich eine Pause, plagt schon das schlechte Gewissen. Stress der richtig krank machen kann. Studenten mit Burn-Out-Syndrom – vor 20 Jahren hätten dies viele für einen Witz gehalten. Doch heute ist es weitverbreitete Realität. „Ich kann nicht mehr“ titelte ZEIT Campus, „Studenten am Rande des Nervenzusammenbruchs“ die Welt, und der Spiegel fragt sich, ob „Pillen, Therapie oder einfaches durchhalten“ den „Absturz der Überflieger“ aufhalten könnte. Eine Antwort blieben die Artikel jedoch schuldig.

Viele versuchen beim Sport abzuschalten, heißt es doch „Mens sana in corpore sano“. Doch schon der römische Poet Juvenal, auf den diese berühmte Weisheit zurückgeht, wusste, dass der gesunde Geist dem gesunden Körper voran geht und man nicht umgekehrt über körperliche Fitness zur Ausgeglichenheit oder gar zur Weisheit gelangt. Ähnlich falsch verstanden wie Juvenal wird auch das immer populärer werdende Yoga. Die in Deutschland so beliebten Leibesübungen dienten Mönchen, die sich aus dem öffentlichen Leben zurückzogen, lediglich als Vorbereitung auf das Yoga. In der altindischen Sprache Sanskrit bedeutet Yoga „Verbindung“ und zwar die des individuellen Bewusstseins mit dem universellen Bewusstsein. Dieser Zustand führt dann zur perfekten Harmonie von Geist und Körper, Mensch und Natur. Das Ziel des Yoga ist die Selbstverwirklichung, um alle Arten des Leidens zu überwinden und in einen „Zustand der Befreiung“ zu gelangen. Yoga ist eine der ältesten Wissenschaften der Welt und ist sehr nützlich für den Erhalt oder das Erreichen von physischer und mentaler Gesundheit sowie von spiritueller Entwicklung. Yoga ist also keine Sportübung, sondern das Entdecken der Einheit in uns selbst, der Welt und der Natur. Dies stellte unlängst das indische Gesundheitsministerium richtig. Indien besinnt sich seiner Wurzeln und lässt die Welt daran teilhaben. So ernannten die Vereinten Nationen nun auf Vorschlag des indischen Premierministers Modi den 21. Juni zum internationalen Tag des Yogas.

Seit Juni dieses Jahres findet auch am Umweltcampus Birkenfeld ein Yoga Kurs statt. Hierbei können Studierende und Personal des UCB in einem kostenfreien Kurs meditieren lernen. Das ist an diesem Ort nichts ungewöhnliches, denn Zukunftstechnologien zu entwickeln heißt oft „Altes“ neu zu entdecken oder von der Natur zu lernen. Die Kursleiterin Manjula Gundumogula studiert IMAT am UCB. Sie lernt viel über Windenergie, Solarkraft und Biogas. Alles Versuche des Menschen sich die Kraft der Natur zu Nutze zu machen. Von vielen dieser Technologien hatte sie in Ihrer Heimat Indien noch nichts gehört. Sie ist froh hier viel Neues lernen zu können, schließlich ist Deutschland Vorreiter in der „Green Technology“. Doch nicht nur die Studierenden profitieren von einem Studium im Ausland. Auch die Hochschulen profitieren von den ausländischen Studierenden. Sie bringen das Wissen ihrer Heimatländer mit an den Hochschulstandort. Seit über 15 Jahren praktiziert Manjula das Yoga in seinem ursprünglichsten Sinn – der Meditation. Diese Kraft der Natur erfährt sie täglich, hier kennt sie sich aus. Sie schreibt diesen Artikel in der 3. Person, da dies in Ihrer Heimat als taktvoller angesehen wird.

Die positiven Effekte der Meditation konnte sie nicht nur bei sich selbst feststellen, sondern auch bei ihren Schülern, die sie als Lehrerin für Mathematik über 7 Jahre lang in Indien unterrichtete. Sie setzte diese Methode unterrichtsbegleitend ein um nachhaltige Lernerfolge zu erreichen. Einige Schüler waren anfangs skeptisch. Doch die erkennbaren Veränderungen, die sie an ihren Mitschülern feststellen konnte, überzeugte schließlich die Meisten. So stieg beispielsweise ihre Merkfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit, ihre Kreativität wuchs, sie konnten aus dem Unterricht mehr für sich herausziehen, ihre Kommunikationsfähigkeit stieg und sie konnten besser präsentieren, ihr Selbstbewusstsein wuchs, sie wurden zufriedener und ausgeglichener.

Manjula benutzt dabei eine besonders effektive und leicht zu erlernende Technik die „Sahaja Yoga“ genannt wird. Das „UNESCO Center for Peace“ empfiehlt diese Methode, da sie hilft das menschliche Potential zu entwickeln, zu stärken und in jeder Hinsicht zu integrieren und zusammenzuführen. Ganz leicht kann man die in uns schlummernde Kraft nutzen und in einem Zustand „wahren inneren Friedens und innerer Ruhe“ zu gelangen. Das bedeutet wir kommen in unsere „Mitte“: sehr aktive Menschen werden ruhiger – lethargische Menschen erhalten neue Kraft und Dynamik. Bei dieser Meditation sitzt man „normal“ auf Stühlen, um ohne Anstrengung und spontan den Zustand der Meditation zu erreichen. Der meditative Zustand kann dabei spürbar wahrgenommen werden.

Schon in der ersten Stunde konnten insgesamt 21 Interessierte diese Erfahrung machen, viele kommen seither regelmäßig wieder und bringen sogar ihre Freunde mit. Im Kurs wird auf ein ausgewogenes Verhältnis von Theorie und Praxis geachtet. Das System der „Chakren“ (Energiezentren) ist eine spannende Wissenschaft für sich, die in den wöchentlichen Treffen nur einführend beleuchtet werden kann. Manjula ist es wichtig, dass die Teilnehmer lernen können diese Technik selbst zu Hause umzusetzen. Fünf bis zehn Minuten reichen bereits aus, um eine spürbare Erleichterung und Befreiung des Geistes zu erreichen. Bei regelmäßiger Anwendung zeigen sich die weiteren positiven Auswirkungen des gedankenfreien Bewusstseins, wie der Zustand der Meditation auch bezeichnet wird. Man kann denken, muss es aber nicht – für viele eine ganz neue Erfahrung.

– Autor: Manjula Gundumogula –