Hochschulpreis der Wirtschaft 2017

IHK zeichnet drei Abschlussarbeiten des Umwelt-Campus Birkenfeld aus

Mit dem „Hochschulpreis der Wirtschaft“ prämiert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz jährlich herausragende praxisorientierte Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten, die in Kooperation mit Unternehmen aus der Region entstanden sind.Mit dieser Förderung möchte die IHK die Beziehung zwischen mittelständischer Industrie und Hochschule ausbauen und Innovationen anstoßen.

Aus den 36 Einreichungen wurden zwei 2 Arbeiten Studierender des Umwelt-Campus Birkenfeld mit dem Hochschulpreis der Wirtschaft ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt eine Absolventin eine lobende Anerkennung.

Maria Swiderek wurde für ihre Masterarbeit bei der Firma Howatherm Klimatechnik GmbH in Brücken unter der Betreuung von Prof. Dr. Christoph Kaup der „Hochschulpreis der Wirtschaft“ verliehen. Die Thesis von Frau Swiderek befasste sich mit der „Untersuchung eines Zentrallüftungsgeräts zur Kühlung von Rechenzentren zur Freien Kühlung“. Prof. Dr. Kaup betonte die gute Zusammenarbeit mit dem Umwelt-Campus Birkenfeld und sprach von einer „Win Win Win Situation“. Frau Swiderek konnte sich im Anschluss an ihr Studium über eine Einstellung als Entwicklungsingenieurin in der Firma Howatherm freuen.

Auch Stefan Schuster erhielt für seine Masterarbeit mit dem Fissler-Werk in Idar-Oberstein unter  Betreuung von Prof. Dr. Uwe Krieg die Auszeichnung „Hochschulpreis der Wirtschaft“. Der Titel seiner Arbeit lautete: „Umluftgaren in der Pfanne – Verbesserter Prototyp mittels Simulation von Thermik und Strömung“. Es waren sehr anspruchsvolle Simulationen von mehr als 20 Stunden Rechenzeit nötig, erklärte Prof. Krieg. Hierbei lagen Simulation und Versuche eng beieinander. Auch der Leiter der digitalen Produktentwicklung der Firma Fissler GmbH lobte die hohe Wertigkeit dieser Masterarbeit.

Eine lobende Anerkennung für ihre Arbeit „Grünschnitt: Aufbereitung, thermische Verwertung“ bei der Energieagentur Rheinland Pfalz GmbH wurde Frau Lara Hoffmann verliehen. Die Idee dahinter ist es, den Grünschnitt im Landkreis Birkenfeld zur Ressourcenschonung zu Holz- und Hackschnitzeln zu verarbeiten. Hiervon könnte auch der in Nationalpark Hunsrück-Hochwald profitieren. Der betreuende Prof. Dr. Henrik te Heesen ergänzte: Der Nationalpark ist eine gute Sache, für die es sich lohnt sich einzusetzen“.

Somit durfte sich der Umwelt-Campus Birkenfeld an diesem Tag über gleich drei Auszeichnungen freuen und die Relevanz des gepflegten engen Kontakts zur regionalen Wirtschaft herausstellen.

S.U.N.-Projekt -Schulen und Umwelt pro Nachhaltigkeit

Im Rahmen des Master-Studiengangs „Umwelt- und Betriebswirtschaft“ des Umwelt-Campus Birkenfeld unterrichten Studierende seit 2011 Schüler weiterführender Schulen in der Region. Das Projekt „S.U.N.“- „Schulen und Umwelt-Campus pro Nachhaltigkeit“ wurde bereits in mehr als 25 Schulen erfolgreich durchgeführt.

Die Studierenden erarbeiten ein didaktisches Konzept und unterrichten anschließend Schüler von der 5. bis zur 13. Klassenstufe. Die Konzepte sind aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Technik und umfassen Themen wie Erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, Bankenkrise und Bionik.

Die 90-minütige, aktivierende Unterrichtseinheit soll den Schülern Spaß machen und gleichzeitig ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln schaffen.

Aktuell kooperieren fünf Studierende des Umwelt-Campus mit fünf Schulen im Saarland und Rheinland-Pfalz, wie zum Beispiel der Berufsbildenden Schule Kusel und dem Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel.

Der Umwelt-Campus Birkenfeld freut sich über die langjährige gute Zusammenarbeit mit den Schulen und hofft natürlich darauf, so auch einige Schüler für ein Studium an einer modernen Hochschule zu begeistern.

Über die Windkraft wurde strittig diskutiert

Die besten Momente hatte die frühere grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, als ihr Vortrag am Umwelt-Campus Birkenfeld (UCB) fast zu Ende war: „Wir brauchen eine Debatte wie diese hier“, sagte die 52-Jährige, und: „Wir brauchen Quellen, um zu erfahren, was stimmt und was nicht stimmt.“ Das heißt auch: Man kommt der Wahrheit näher, wenn man Argumente und Gegenargumente vergleicht und aufwiegt.

Danach sah ihr Vortrag am Mittwochabend in einem der Hörsäle auf dem Campus lange Zeit nicht aus: Er erinnerte stark an eine Verkaufsveranstaltung für grüne Umweltpolitik, erst in der letzten halben Stunde kam eine Diskussion mit den Gästen im Hörsaal auf: Es handelte sich um Studenten, Politikern, Bürgermeistern und Öko-Anhänger. Mit ihrem Schlusswort kehrte der Gedanke an die Verkaufsveranstaltung nochmals zurück: Lemke holte aus einem Karton ein Buch hervor und hielt es den Zuhörern hin: „Politik hart am Wind“ heißt es, kostet 24,95 Euro. Es ist im Oekom-Verlag erschienen und seit Donnerstag im Handel.

Genau genommen war dieser Auftritt nicht als Werbeveranstaltung gedacht, sondern als Teil der Reihe „Kleine Ringvorlesung“, zu der der Umwelt-Campus regelmäßig einlädt. Diese Ringvorlesungen sind offen, jeder kann teilnehmen, nicht nur Studenten. Natürlich passt Lemkes Vortrag zum Thema „Politische Herausforderungen der Energiewende aus Bundes- und Landesperspektive“ auch in Vorstellungswelt und Lerninhalte des Umwelt-Campus, die Grünenpolitikerin und Professor Peter Heck, Direktor des Ifas-Instituts auf dem Campus, duzen sich. Sie sind sich während Lemkes politischer Tätigkeit oft genug begegnet.

Lemke war von 2011 bis 2016 Wirtschaftsministerin und Vize-Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz. Sie war zweitmächtigster politischer Kopf nach Kurt Beck und später Malu Dreyer. Bei der Wahl im März 2016 verloren die Grünen deutlich Stimmen, Lemke zog sich in die zweite Reihe zurück. Im Hörsaal sprach sie von 70 000 Erzeugern erneuerbarer Energien, die die Quasi-Monopolstellung der vier Großen auf dem Strommarkt – Vattenfall, RWE, EnBW und EON – auflösen, von 200 000 Arbeitsplätzen bundesweit und 15 000 in Rheinland-Pfalz, die durch erneuerbare Energien geschaffen wurden. Sie kritisierte, dass die EU sich noch lange nicht vom Atomstrom verabschiedet habe, ihre aktuelle Förderung „übersteigt alles, was es jemals dafür gab“.

In der Diskussion ging es kritischer zu. Ein Zuhörer fragte zum Beispiel, wer die Profiteure der Energieerzeugung aus Wind seien. Banken? Unternehmer? Auf jeden Fall nicht der Bürger, der habe im Gegenteil erhebliche Defizite in Naturschutz und Landschaftsbild hinzunehmen, meinte der Mann. Lemke erwiderte: „Haben wir zu schnell und zu viel in dieser Zeit gebaut? Lassen Sie es uns in 30 Jahren beantworten.“

Ein Student hatte neben Windkraftanlagen gelebt: Man gewöhne sich an die Geräusche wie man sich an den Lärm von der Straße gewöhne, sagte er. Auch eine Studentin aus Simmern, wo sich viele weiße Riesen drehen, meldete sich zu Wort: „Am Anfang habe ich mich stark über die Windräder geärgert, aber inzwischen ist es normal. Man kann sie mit einer gewissen Faszination betrachten und sollte nicht sofort sagen: Die sind hässlich.“ Ein Student aus Aachen: „Jede Kilowattstunde, die aus einer Windmühle kommt, ist auf jeden Fall besser, als ein Braunkohlekraftwerk zu betreiben.“