S.U.N.-Projekt -Schulen und Umwelt pro Nachhaltigkeit

Im Rahmen des Master-Studiengangs „Umwelt- und Betriebswirtschaft“ des Umwelt-Campus Birkenfeld unterrichten Studierende seit 2011 Schüler weiterführender Schulen in der Region. Das Projekt „S.U.N.“- „Schulen und Umwelt-Campus pro Nachhaltigkeit“ wurde bereits in mehr als 25 Schulen erfolgreich durchgeführt.

Die Studierenden erarbeiten ein didaktisches Konzept und unterrichten anschließend Schüler von der 5. bis zur 13. Klassenstufe. Die Konzepte sind aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Technik und umfassen Themen wie Erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft, Bankenkrise und Bionik.

Die 90-minütige, aktivierende Unterrichtseinheit soll den Schülern Spaß machen und gleichzeitig ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln schaffen.

Aktuell kooperieren fünf Studierende des Umwelt-Campus mit fünf Schulen im Saarland und Rheinland-Pfalz, wie zum Beispiel der Berufsbildenden Schule Kusel und dem Siebenpfeiffer-Gymnasium Kusel.

Der Umwelt-Campus Birkenfeld freut sich über die langjährige gute Zusammenarbeit mit den Schulen und hofft natürlich darauf, so auch einige Schüler für ein Studium an einer modernen Hochschule zu begeistern.

Über die Windkraft wurde strittig diskutiert

Die besten Momente hatte die frühere grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, als ihr Vortrag am Umwelt-Campus Birkenfeld (UCB) fast zu Ende war: „Wir brauchen eine Debatte wie diese hier“, sagte die 52-Jährige, und: „Wir brauchen Quellen, um zu erfahren, was stimmt und was nicht stimmt.“ Das heißt auch: Man kommt der Wahrheit näher, wenn man Argumente und Gegenargumente vergleicht und aufwiegt.

Danach sah ihr Vortrag am Mittwochabend in einem der Hörsäle auf dem Campus lange Zeit nicht aus: Er erinnerte stark an eine Verkaufsveranstaltung für grüne Umweltpolitik, erst in der letzten halben Stunde kam eine Diskussion mit den Gästen im Hörsaal auf: Es handelte sich um Studenten, Politikern, Bürgermeistern und Öko-Anhänger. Mit ihrem Schlusswort kehrte der Gedanke an die Verkaufsveranstaltung nochmals zurück: Lemke holte aus einem Karton ein Buch hervor und hielt es den Zuhörern hin: „Politik hart am Wind“ heißt es, kostet 24,95 Euro. Es ist im Oekom-Verlag erschienen und seit Donnerstag im Handel.

Genau genommen war dieser Auftritt nicht als Werbeveranstaltung gedacht, sondern als Teil der Reihe „Kleine Ringvorlesung“, zu der der Umwelt-Campus regelmäßig einlädt. Diese Ringvorlesungen sind offen, jeder kann teilnehmen, nicht nur Studenten. Natürlich passt Lemkes Vortrag zum Thema „Politische Herausforderungen der Energiewende aus Bundes- und Landesperspektive“ auch in Vorstellungswelt und Lerninhalte des Umwelt-Campus, die Grünenpolitikerin und Professor Peter Heck, Direktor des Ifas-Instituts auf dem Campus, duzen sich. Sie sind sich während Lemkes politischer Tätigkeit oft genug begegnet.

Lemke war von 2011 bis 2016 Wirtschaftsministerin und Vize-Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz. Sie war zweitmächtigster politischer Kopf nach Kurt Beck und später Malu Dreyer. Bei der Wahl im März 2016 verloren die Grünen deutlich Stimmen, Lemke zog sich in die zweite Reihe zurück. Im Hörsaal sprach sie von 70 000 Erzeugern erneuerbarer Energien, die die Quasi-Monopolstellung der vier Großen auf dem Strommarkt – Vattenfall, RWE, EnBW und EON – auflösen, von 200 000 Arbeitsplätzen bundesweit und 15 000 in Rheinland-Pfalz, die durch erneuerbare Energien geschaffen wurden. Sie kritisierte, dass die EU sich noch lange nicht vom Atomstrom verabschiedet habe, ihre aktuelle Förderung „übersteigt alles, was es jemals dafür gab“.

In der Diskussion ging es kritischer zu. Ein Zuhörer fragte zum Beispiel, wer die Profiteure der Energieerzeugung aus Wind seien. Banken? Unternehmer? Auf jeden Fall nicht der Bürger, der habe im Gegenteil erhebliche Defizite in Naturschutz und Landschaftsbild hinzunehmen, meinte der Mann. Lemke erwiderte: „Haben wir zu schnell und zu viel in dieser Zeit gebaut? Lassen Sie es uns in 30 Jahren beantworten.“

Ein Student hatte neben Windkraftanlagen gelebt: Man gewöhne sich an die Geräusche wie man sich an den Lärm von der Straße gewöhne, sagte er. Auch eine Studentin aus Simmern, wo sich viele weiße Riesen drehen, meldete sich zu Wort: „Am Anfang habe ich mich stark über die Windräder geärgert, aber inzwischen ist es normal. Man kann sie mit einer gewissen Faszination betrachten und sollte nicht sofort sagen: Die sind hässlich.“ Ein Student aus Aachen: „Jede Kilowattstunde, die aus einer Windmühle kommt, ist auf jeden Fall besser, als ein Braunkohlekraftwerk zu betreiben.“

 

Masterstudenten erforschen den Nationalpark

„Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, möchtest aber gern mehr über das Management von Nationalparks und Biosphärenreservaten erfahren?“ Mit dieser Frage warb die erste, mittlerweile erfolgreich abgeschlossene Summer School „IT-Fundamentals of National Park Monitoring“ des Umwelt-Campus Birkenfeld um Masterstudierende weltweit, die sich auf dem Feld des Managements von Großschutzgebieten weiterqualifizieren möchten.

Wie im Konzept für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald vorgesehen, spielen Forschung und Bildung eine wichtige Rolle. Mit der räumlichen Nähe zum Umwelt-Campus ist ein ideales Lehr- und Lernumfeld für Interessierte entstanden, die mehr über die Natur und den Technikeinsatz im Park erfahren wollten. So wurden die rund 20 Teilnehmer aus sechs Nationen im Rahmen von Vorlesungen und praktischen Übungen in nationalparkrelevanten Themen wie Wildtiermonitoring, Geoinformatik, Datenqualitätsanalyse sowie statistischen Analyseverfahren und Zeitreihenanalysen unterrichtet. Selbstverständlich standen auch Themen zum Management von Nationalparks auf dem Lehrplan.

Die Kernveranstaltungen, welche in enger Kooperation und unter Beteiligung von Experten des Nationalparkamtes sowie der Forschungsanstalt Waldökologie und Forstwirtschaft des Landes Rheinland-Pfalz durchgeführt wurden, konnten durch Gastvorträge externer Dozenten ergänzt werden. So berichtete Prof. Hill (Universität Trier) über seine Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Umweltfernerkundung, Dr. Honecker (Universität des Saarlandes) über Grundlagen der Nährstoffmodellierung und Prof. Förster (Universität Bremen) über Möglichkeiten zur automatisierten Umweltdatenerfassung. Viele Teilnehmer besuchten außerdem begeistert zusätzliche Themenvorträge und Lesungen im Rahmen der Moortagung sowie der Nationalpark-Akademie am Umwelt-Campus.

Neben mehreren Exkursionen zu den besonderen und neuralgischen Punkten des Nationalparks wurden zudem interessante Ausflüge in die Umgebung unternommen, unter anderem eine Fahrt nach Trier, bei der die Teilnehmer die Porta Nigra bestaunten und anschließend während einer Schiffsfahrt das Moseltal erkunden konnten. Eine weitere Exkursion führte die Gruppe zum Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Dort wird die deutsche Zeitgeschichte seit 1945 wiedergegeben, was vor allem für die internationalen Gäste hochinteressant war. Auf dem Rückweg zum Umwelt-Campus wurde noch ein Stopp im Unesco-Weltkulturerbe Mittelrheintal eingelegt. Dies war für die Teilnehmer insbesondere deshalb interessant, da das Mittelrheintal als alte Kulturlandschaft konträr zur „Wildnis“ Nationalpark steht, die Probleme teilweise aber vergleichbar sind (zum Beispiel demografischer Wandel, touristische Attraktivität der Region). Dort unternahm die Gruppe, ausgehend von St. Goar, eine Exkursion durch das Mittelrheintal, bei der ein Vertreter des Zweckverbandes die Besonderheiten, aber auch die Probleme im Weltkulturerbeprojekt aufzeigte.

Am Ende waren sowohl die Teilnehmer als auch die Dozenten begeistert von dieser ersten Summer School, sowohl was die Organisation als auch die inhaltliche Ausgestaltung des Programms betraf. Es kam zu vielen interessanten Diskussionsrunden, bei denen die Teilnehmer Fragen und anregende Ideen an die beteiligten Dozenten und Nationalparkmitarbeiter richteten. Alle Beteiligten waren sehr motiviert und zeigten sich interessiert an den vorgestellten Themen rund um den neuen Nationalpark. Sie haben es also geschafft, ein paar Geheimnisse des Waldes zu lüften und in ihm mehr zu sehen als nur eine bloße Ansammlung von Bäumen.